Rhizarthrose / Arthrose des Daumensattelgelenkes

Das Daumensattelgelenk befindet sich an der Daumenbasis in Nähe des Handgelenkes. Dieses Gelenk heißt Sattelgelenk, weil der erste Mittelhandknochen auf dem großen Vieleckbein (einer der acht Handwurzelknochen) wie ein Reiter auf dem Sattel sitzt.  
Bei Veranlagung und Überbelastung  kommt es zum Verschleiß. Die Gelenkknorpelschicht wird immer dünner, bis Knochen auf Knochen reibt. Am Ende steht die Gelenksteife. Dieser Prozess kann schmerzlos, häufig aber auch schmerzhaft ablaufen.

Die Behandlung der schmerzhaften Rhizarthrose sollte stufenweise erfolgen.
Zu Anfang steht die Medikamentöse Therapie ( „Rheuma-Tabletten“). Bei immer häufiger auftretenden Schmerzen: Spritzen in das Gelenk. Cortison um die schmerzhafte Entzündung zu unterbinden. Oder Hyaloronsäure-Injektionen zum Verzögern des Fortschreiten des Verschleißes. Bei dauerhaften Beschwerden kann eine Röntgenbestrahlung oder besser die Injekion eines "strahlenden" Medikamentes (RSO=Radio-Synovio-Orthese) erfolgen.


Mit einer spezifischen Handtherapie können moderate Schmerzen gelindert und ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Im Vordergrund steht hier das Erlernen von Eigenübungen. Zum Download steht hier ein Flyer der Östereichischen Gesellschaft für Handtherapie zur Verfügung.

Eine schmerzhafte Rhizarthrose noch ohne schwere Veränderungen des Röntgenbildes kann sehr gut mit der modifizierten Eigenbluttherapie / ACP (=autologes conditioniertes Plasma) behandelt werden.

Bei fehlender Besserung oder massivem Verschleiß (Röntgenbild) sollte die operative Therapie erfolgen.  

War über Jahrzehnte die Standard-Operation zur Behandlung der Rhizarthrose noch die Entfernung des großen Vieleckbeines, so ist es in den letzten Jahren zu einem Wechsel in der Strategie gekommen.


Die OP der Wahl ist heute die

Daumensattelgelenksendoprothese

Seit vielen Jahrzehnten gibt es den künstlichen Gelenkersatz am Daumensattelgelenk. Neben den frühen Platzhaltern (z. B. aus Silikon) haben sich in der jüngeren Zeit mehrteilige Endoprothesen (sog. Modulare Endoprothesen) durchgesetzt. Am häufigsten werden Prothesenmodelle, die aus einer Kombination aus unterschiedlichen Schaftgrößen mit geraden und inklinierten Hals-Kopf-Teilen und unterschiedlichen Pfannen aufgebaut sind. Die Implantation ist vergleichbar mit der einer Hüftprothese. Auch sind die Materialen: Titan, Titan beschichtet mit Hydroxylapatit und Polyethylen. Die Pfannen werden geschraubt, einzementiert oder „press-fit“ eingebaut.

Trotz dieser Entwicklungen wurde dieser Methode in der handchirurgischen Gesellschaft teilweise mit Skepsis begegnet. Die Gründe sind vielfältig. Ein wesentlicher Grund sind die durchweg guten Ergebnisse der Resektionsarthroplastiken. Bei Verwendung von Totalendoprothesen sind die Lockerung des Pfannenanteils im Trapeziumknochen oder die Fraktur des Trapeziumknochens Komplikationen, die es so natürlich bei der Resektions-Arthroplastik nicht gibt.

Die teilweise langen Rehabilitationszeiten der resezierenden Verfahren trieben aber die Entwicklung der künstlichen Gelenke voran.

Neuere Studien sehr gute Früh- und auch sehr gute Langzeitergebnisse. Wie immer in der Medizin kommt es auf die gute Indikationsstellung an. Für wen ist was das Richtige?





Erste Röntgenaufnahmen nach der OP

dreiteilige Daumensattelgelenksprothese

Die Pfanne in "Press-Fit" Technik



Prothesen des Daumensattelgelenkes eignen sich vor allem für Patienten, die nach der Operation schnell eine gute Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit des Daumens benötigen. Gerade für den Gebrauch der operierten Hand ohne dauerhafte und schwere Belastungen sind Standzeiten (Lebensdauer der Prothese) von mehr als 30 Jahren zu erwarten.


Auch für junge Patientinnen und Patienten (<45Jahre) war der künstliche Gelenkersatz lange Zeit nicht die richtige Wahl. Dies hat sich heute grundlegend geändert. Durch die Weiterentwicklung der Endoprothesen und hier insbesondere die Entwicklung des Duokopfes (ein beweglicher Polyethylen-Kopf auf dem starren Metall-Kopf) haben sich die Standzeichen wesentlich verbessert. Durch die Bewegungen des mobilen Kopfes auf dem starren Kopf reduzieren sich die Kräfte auf die Endoprothesenpfanne!



Sollte es nach vielen vielen Jahren zum Funktionsverlust der Endoprothese kommen, so ist durch den modularen (aus mehreren Bauteilen bestehenden) Aufbau eine problemlose Lösung möglich. DIe Prothesenpfanne wird mit dem großen Vieleckbein entfernt und der Kopf/Hals-Teil wird herausgezogen. Jetzt haben wir annähernd eine Situation wie bei früher üblichen Resktions-Interpositions-Suspensions-Arthroplastik (s.u.)




DIe Resektions-/Interpositions-/Suspensions-Arthroplastik

war bisher das Standardverfahren zur operativen Behandlung der Rhizarthrose. Auch heute noch heute hat dieses Verfahren seine Berechtigung und wird vielfach angewendet.

Ist die Knochenqualität des Großen Vieleckbeines (Trapezium) zur Aufnahme der Gelenkpfanne des Kunstgelenkes nicht ausreichend oder die Belastungen der Hand bei dem Patienten/ der Patinetin zu groß, ist diese OP-Technik sicher und bewährt!

 



Durch die Entfernung des großen Vieleckbeines wird dem Sattelgelenk ein Partner genommen. Somit existiert dieses Gelenk nicht mehr, es reibt nichts mehr aneinander und die Schmerzen verschwinden.



Damit der 1. Mittelhandknochen (mit dem Daumen) nicht langsam in den verbleibenden Raum wandert, gibt es viele verschiedene OP-Techniken die 

  • den Raum nur verkleinern
  • den Raum mit körpereigenem Gewebe auffüllen
  • den 1. Mittelhandknochen mit ortsständigen Sehnen aufhängen

 

Unsere Standardoperation ist die Entfernung des großen Vieleckbein mit anschließender Auffüllung des Raumes und zusätzlicher Aufhängung des 1. Mittelhandknochens durch einen Teil einer ortsständigen körpereigene Sehne. Diese Operation betrifft nur die Hand (Rhizarthrose) und das Handgelenk (Sehne). Regelhaft führen wir diesen Eingriff ambulant und in Teilnarkose in unserer Praxisklinik durch.

Bei Patienten, die sehr auf die Kraft der Hand angewiesen sind, füllen wir den Raum nach Entfernung des Trapezium mit einem Stück Rippenknorpel auf. Unter kurzstationären Bedingungen (regelhaft 2 Nächte) wird bei dieser Operationstechnik in Vollnarkose neben dem Brustbein ein würfelähnliches Stück Rippenknorpel (5. oder 6. Rippe auf der Seite der betroffenen Hand) entnommen und nach Zuschneiden eingepasst. Die Nachbehandlung beider Techniken ist ähnlich. Ein bis zwei Wochen Gips und dann noch 4 Wochen tragen einer Spezialorthese (Schiene). 

Unsere OP-Technik und die Ergebnisse wurden auf einem Poster für den Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) 2011 veröffentlicht.






Nach einer Verletzung an der Hand mit Beteiligung des Sattelgelenkes (Bennet-Fraktur) ist es zu einer Verrenkung des 1. Mittelhandknochen und der ENtwicklung einer Arthrose gekommen.

Eine ursächliche Behandlung war nicht mehr möglich. Entschluß zur Operation

Das große Vieleckbein wurde entfernt und der entstandene "Hohlraum" mit einem Rippenknorpelstück aufgefüllt. Um eine noch schnellere Rehabilitation zu erreichen, wurde eine Fesselung der Basis des 1. an die Basis des 2. Mittelhandknochen durchgeführt.

Mini Tightrope ®

Schemazeichnung über das Faden/Plättchen-Konstrukt zur Fesselung der Basis des 1. an die Basis des 2. Mittelhandknochen




STT-Arthrose

Eine begleitende STT-Arthrose (Arthrose des Gelenkes zwischen Scaphoid, Trapezium und Trapezoideum = Kahnbein, großes und kleines Vieleckbein) wird durch einen zusätzlichen Operationsschritt mitbehandelt. Zusätzlich zur Entfernung des großen Vieleckbeines wird vom kleinen Vieleckbein das angrenzende Viertel bis Drittel entfernt.





Das Trapezium läßt sich so gut wie nie in einem Stück entfernen, sodaß es für die Entfernung zunächst in mehrere Stücke zerteilt wird.





Der zum Kahnbein zeigende Teil des Trapezoideum (kleinen Vieleckbeines) wird abgetrennt und entfernt. Das Reiben der Knochen aufeinander ist verschwunden. Damit auch der Schmerz.


Zusätzlich zur Entfernung des großen Vieleckbeines wird vom kleinen Vieleckbein das angrenzende Viertel bis Drittel entfernt.


Korrektur-Osteotomie: Knochenumstellung des körpernahen ersten Mittelhandknochens


Die Therapie der Rhizarthrose mittels Osteotomie (=gezielte Knochendurchtrennung zur Änderung der Form, Achse oder Länge) des ersten Mittelhandknochens ist ausschließlich im Frühstadium (Stadium 1) der Rhizarthrose und nur in speziellen Fällen sinnvoll. Voraussetzung ist ein noch weitgehend stabiler Gelenkknorpel im Sattelgelenk.


Um dieses sicher zu beurteilen wird regelhaft eine MRT-Untersuchung durchgeführt. In seltenen Fällen kann der Befund auch durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie des Sattelgelenkes) erhoben werden.



Sind die Voraussetzungen erfüllt, besteht der Haupteffekt dieser OP-Technik darin, dass die Belastungsachse des Daumens verändert wird und die aufgedehnte schmerzhafte Gelenkkapsel entlastet wird. Dadurch kann eine Schmerzreduktion und eine Verzögerung des Fortschreitens der Rhizarthrose erzielet werden.

Aus dem körpernahen Schaft des ersten Mittelhandknochens wird ein Knochenkeil entfernt, sodass die Achse des ersten Mittelhandknochens um ca 20 bis 30 Grad verändert wird. Zur Stabilisierung kommen Drahtstifte und ein Metalldraht (sog. Cerclage) zum Einsatz.

Links sehen Sie ein Röntgenbild aus dem OP mit vorgelegtem Draht und schon geschlossener Osteotomie nach Entfernung des Knochenkeils. Unten links das abschließende Röntgenbild 2 Wochen nach OP.


Da im Frühstadium einer Rhizarthrose effektive nicht-operative Therapieformen wie z. B. Medikamente oder Schienen zur Verfügung stehen und diese meist auch gut funktionieren findet die Korrektur-Osteotomie insgesamt nur sehr selten Anwendung.

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Praxisklinik mit ambulantem OP-Zentrum