Berufspolitik

Als Mitglied des ANC (Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Chirurgen) und des GNC(Genossenschaft Niedergelassener Chirurgen) Nordrhein versuche ich die die Situation meiner Berufsgruppe in unserem heutigen Gesundheitssystems mit zu gestalten. 

Es geht dabei selbstverständlich um die eigenen, aber auch wesentlich um Ihre Interessen. 

Sollte es der Politik gelingen, unsere Berufsgruppe zu verdrängen, wird sich Ihre qualifizierte fachärztliche Versorgung deutlich verschlechtern. Weitere Leistungen werden aus der Ambulanten in die Stationäre Versorgung verschoben.

Hier haben Sie die Möglichkeit sich über aktuelle Berufspolitische Themen zu informieren.





STELLUNGNAHME der AGA zum SPIEGEL-Artikel „Leben ohne Schmerz“ vom 17.11.2018

 

Aktuell ist im Nachrichtenmagazin Spiegel (SPIEGEL-Artikel „Leben ohne Schmerz“  vom 17.11.2018) ein Artikel erschienen, der erneut gegen die Arthroskopie gerichtet ist. Es werden die bekannten Studien zur Kniegelenkslavage bei Arthrose und zur subacromialen Dekompression zitiert und verallgemeinernd die Technik des arthroskopischen Operierens und damit auch alle rekonstruktiven Eingriffe als nutzlos und gefährlich abgetan.

Die AGA hat zu dieser Veröffentlichung des Spiegels in einem offenen Brief kritisch Stellung genommen.


Zu dem Artikel „Leben ohne Schmerz – Rücken, Schulter, Knie – wie sich Operationen vermeiden lassen“ im SPIEGEL, Nr. 47 / 17.11.2018, nimmt die AGA Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie wie folgt Stellung: 

Auch aus unserer Sicht ist es wünschenswert, dass dem Gespräch mit dem Patienten deutlich mehr Zeit eingeräumt wird. Das Ziel sollte immer sein, durch die persönliche Kenntnis des Patienten und der sozialen Umstände einen individuellen Therapieplan festzulegen, der sorgfältig alle konservativen und operativen Therapieoptionen mit einbezieht und abwägt. Die Schlussfolgerung aber, eine Vielzahl von Operationen durch Gesprächstherapien ersetzen zu können, ist nicht richtig. Es gibt klare wissenschaftliche Kriterien für die Indikationsstellung zu Operationen. Die AGA macht sich durch Aufklärung, Fort- und Weiterbildung und wissenschaftliche Arbeit dafür stark, dass Indikationen auf dem neuesten Stand des Wissens gestellt werden.

Die zitierte Studie von Andrew Carr hat gezeigt, dass eine isolierte subacromiale Dekompression (SAD) bei unspezifischen Impingementschmerzen in der Schulter der konservativen Therapie nicht signifikant überlegen ist. Die AGA teilt das Fazit der Studie, dass bei genau diesen Indikationen die operative SAD zu Recht in Frage zu stellen ist. Eine Verallgemeinerung auf Schulterschmerzen und Funktionseinschränkungen, die mannigfaltige Ursachen haben können, ist aber keineswegs zulässig.

Die AGA bestätigt auch die Moseley-Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass bei fortgeschrittener Arthrose eine Gelenktoilette des Kniegelenks keinen therapeutischen Nutzen für den Patienten hat. 

Ein verzerrtes Bild gibt der Artikel jedoch bei der generellen Darstellung der Schulter- und Kniearthroskopie: Die Operationstechnik „Arthroskopie (Gelenkspiegelung)“ wird bei einer Vielzahl von Indikationen bei den genannten Gelenken eingesetzt. Sie kann aber nicht mit den isolierten Eingriffen „subacromiale Dekompression“ und „Gelenklavage“ bei Kniearthrose gleichgesetzt werden. Diese stellen nur einen Bruchteil der arthroskopischen Operationen dar. Die minimal-invasive Gelenkchirurgie leistet eine Vielzahl rekonstruktiver Eingriffe, wird aber im Artikel nur auf „Gelenktoilette“ und „Knochenfräsen“ reduziert. 

Denn die Arthroskopie ist eine Technik und keine Pathologiebehandlung. Während noch vor rund 20 Jahren Sehnennähte der Schulter oder Kreuzbandoperationen einen mehr als 7-tägigen Krankenhausaufenthalt erforderten, können diese heute so minimal invasiv durchgeführt werden, dass der Patient in der Regel nach dem Eingriff nach Hause gehen kann. 

Die von Ihnen genannten Operationszahlen beim Impingement-Syndrom der Schulter suggerieren einen signifikanten Anstieg der SAD von 2008 bis 2015 um 30 Prozent. Auch hier ergibt eine genauere Analyse ein ganz anderes Bild: Die SAD ist häufig nicht der alleinige Eingriff sondern erfolgt lediglich begleitend z.B. bei der Naht einer gerissenen Schultersehne bzw. bei Kalkentfernung. Während 2008 noch häufiger offen operiert wurden, erfolgen diese Operationen heute in der Regel arthroskopisch. 

Die uns vorliegenden Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen eine Abnahme der stationären SAD gesamt (offen/arthroskopisch) von 2010 bis 2017: 104.894 (19.998/84.896) zu 102.062 (12.086/89.976) – fast drei Prozent weniger. Da in diesem Zusammenhang OPS Codes betrachtet werden, kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie viele subacromiale Dekompressionen als Einzel- oder Begleiteingriff vorgenommen wurden. Somit ist Ihr beschriebener Anstieg dieses isolierten Eingriffes nicht mit der Realität gleichzusetzen.

Es ist richtig, dass jede Operation ein gewisses Risiko für den Patienten darstellt. Die Infektionsraten z.B. bei arthroskopischen Eingriffen des Kniegelenkes ohne Bandrekonstruktion liegen allerdings unter 0,1% (Balato et al. Joints 2017). Die Infektionsrate bei Schulterarthroskopien mit Sehnenrekonstruktion unter perioperativer Antibiotikaprophylaxe liegen bei unter 0,3% (Pauzenberger et al. KSSTA 2016). Diese Einordnung würde ein ganz anderes Bild zeichnen. Hingegen ist auch eine konservative Therapie mit Risiken für den Patienten verbunden, z.B. bei Infiltrationen (Spritzenbehandlung). Dieses Risikoprofil wird im Artikel jedoch komplett außen vor gelassen. Vielmehr wird das Risiko betont, in Folge eines arthroskopischen Eingriffs schwerwiegende Komplikationen zu erleiden bis hin zum Tod. Diese Darstellung ist aus unserer Sicht irreführend.

Um den Erfolg von Operationen objektiv messbar zu machen und die Bewertung eben nicht allein dem Operateur zu überlassen, hat die Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA), gemeinsam mit dem dem Berufsverband für Arthroskopie (BVASK) und der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) im Oktober 2017 in Eigeninitiative das deutschsprachige Arthroskopieregister (DART) ins Leben gerufen. Hier werden Patientendaten zu arthroskopischen Eingriffen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zentral erfasst und wissenschaftlich ausgewertet. Ärzten, Praxen und Kliniken steht das Register zur langfristigen Sicherstellung ihrer Qualität zur Verfügung.  

Die zitierte gemeinsame Stellungnahme von sieben Gesellschaften und Verbänden der Orthopädie und Gelenkchirurgie wurde vom Autor falsch verstanden: Die Unterzeichner unterstützen wie weiter oben dargestellt das Studienergebnis der im Journal „Lancet“ veröffentlichten pragmatischen, randomisierten multizentrischen CSAW-Studie bei korrekter Betrachtung, kritisieren allerdings auch methodische Schwächen der Studie. Die Unterzeichner wehren sich aber gegen die Interpretation der Studienergebnisse durch die Laienpresse, die das gesamte Feld der (Schulter)-Arthroskopie unter Generalverdacht - und seit Jahren erfolgreiche Behandlungsstandards in Frage - stellt. Die wissenschaftlich nicht differenzierte Interpretation „Schulterarthroskopie bringt nichts“ führt zu einer klaren Fehlinformation der Bevölkerung. 

Abschließend postuliert der Artikel die Forderung, Menschen ab 35 Jahren nicht mehr zu arthroskopieren, da „sie so gut wie nichts davon hätten“. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass bei ausgeschöpfter konservativer Therapie und beginnendem Gelenkverschleiß die nächste Operation immer der Gelenkersatz ist. Es würde aber auch bedeuten, dass arthroskopische rekonstruktive Eingriffe nach Unfällen, wie zum Beispiel Bandnähte oder Bandersatz zur Stabilisierung eines Gelenkes, oder die arthroskopisch kontrollierte Wiederherstellung einer glatten Gelenkfläche z.B. nach einem Schienbeinkopfbruch für den Patienten keinen Nutzen hätten. Soll dies die Zukunft der Gelenkmedizin sein? 

 

Die AGA hat als oberstes Ziel den Gelenkerhalt. Eine Endoprothese sollte erst dann das Mittel der Wahl sein, wenn es nicht mehr sinnvoll möglich ist, die schmerzfreie Funktion eines Gelenkes wiederherzustellen. Die Arthroskopie hilft als operationstechnisches Verfahren, eine Vielzahl an Verletzungen oder Gelenkerkrankungen minimal-invasiv und schonend mit wissenschaftlich gesicherten positiven Ergebnissen zu behandeln! Wie in allen Bereichen bedarf es einer differenzierten Betrachtung, die im vorliegenden Artikel aus unserer Sicht nicht gegeben ist. Verallgemeinerung und das Verteufeln von Operationen im Grundsätzlichen helfen nicht, die medizinische Versorgungslage unserer Patienten besser und sicherer zu machen.

Prof. Dr. med. Helmut Lill                     Dr. med. Philipp Heuberer                 PD Dr. med. Sepp Braun

AGA-Präsident                                     AGA-Vizepräsident                            AGA-Pressesprecher

27.11.2018


In Bayern ist es geschafft!

Hygienezuschlag für ambulante OP-Zentren!!!


Rundschreiben des BAO

"... wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie in Bayern mit der Honorarabrechnung des 2. Quartales 2018 jetzt im Oktober erstmals die Hygienezuschläge zu ausgewählten ambulanten operativen Leistungen erhalten werden. 

Wir möchten die Operateure aller Fachdisziplinen bitten, den Eingang und Nachweis der Auszahlung der Hygienezuschläge in Ihren Abrechnungen sorgfältig zu prüfen.
Vorausgegangen war ja ein jahrelanger Kampf mit den Krankenkassen über eine Unterstützung / Erstattung von zusätzlichen Kosten, die uns durch das aktuelle Infektionsschutzgesetz entstanden sind. Ihnen ist wahrscheinlich bekannt, dass zuvor nur die Krankenhäuser Millionen-Beträge zu diesem Zweck erhalten hatten. 

Unsere intensiven Bemühungen nach der Vorlage des Gutachtens zur Berechnung der Hygiene- Kosten pro Behandlungsfall 2015 durch unseren Fachreferenten Woischke haben nun endlich in Bayern dazu geführt, dass Leistungen des EBM-Kapitels 31.2 bei Operationen der Kategorie 3-7 zwischen 20 und 50 Euro Zuschläge erhalten, die allein dem Kostenausgleich für Hygiene- Maßnahmen dienen sollen. Die Zuschläge werden in ihrer Abrechnung unter der Ziffer 97191 x ausgewiesen werden. 

Wir freuen uns über diesen Verhandlungserfolg zur Unterstützung von ambulant operierenden Einrichtungen aller Disziplinen in Bayern. Unsere jahrelangen Anträge und Nachfragen – auch bei BAO Geschäftsstelle...

Mit freundlichen kollegialen Grüßen 

Dr. Axel Neumann 

Präsident BAO, BAOGeschäftsstelle Joachim-Karnatz-Allee 7 10557 Berlin 

Dr. Helmut Weinhart, Vorsitzender Kommisssion Amb. Operieren KV Bayern 

Tel. 030-31958413 Fax 030-22196057 

Dr. Frank Vescia, Vorstand BDA"



Aktuelle Zahlen zur medizinischen Versorgung in Nordrhein



Pressemitteilung: 11. Mai 2018

Elektronische Gesundheitskarte vor dem Aus: Ärztetag beschließt Stopp der Online-Anbindung von Arztpraxen

Nachdem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Medienberichten zufolge offenbar darüber einig sind, dass die elektronische Gesundheitskarte (eGK) „nicht zukunftsfähig“ ist, hat auch der Deutsche Ärztetag in Erfurt dem Projekt am Donnerstag eine Absage erteilt. Auf Initiative der Freien Ärzteschaft (FÄ) hat das Ärzteparlament die Politik aufgefordert, die Anbindung der Arztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) an die Telematikinfrastruktur (TI) zu Ende 2018 auszusetzen. Zudem sei die Androhung von Honorarabzügen bei Nichtanbindung zurückzuziehen. „Die technischen und organisatorischen Mängel sowie offene Datenschutzfragen sprechen eindeutig gegen eine Fortsetzung des Projekts“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich.



Es gebe erhebliche Probleme bei zahlreichen Praxen, die sich an die TI angeschlossen hätten. Es komme immer wieder zu Systemausfällen, Gesundheitskarten könnten mitunter nicht eingelesen werden, Paxisabläufe würden behindert – so gehe es auch aus dem Evaluationsgutachten der Universität Erlangen-Nürnberg zum sogenannten Versichertenstammdatenmanagement hervor. „Es ist absehbar, dass die Industrie bis Ende 2018 weder eine zuverlässige Funktionsfähigkeit gewährleisten kann, noch in der Lage ist, alle potenziellen Teilnehmer anzuschließen“, heißt es in dem Beschluss.



„Ein ganz wichtiger Punkt ist zudem der Datenschutz“, betont Dietrich. „Wir wissen nicht, ob die jetzt konzipierte TI mit der am 25.05.2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung konform ist.“ Es gebe bereits zahlreiche Anfragen von Ärzten an Datenschutzbeauftragte in Behörden und Ländern. Die Ärzte monieren weiterhin, dass die Finanzierung der Installation in den Praxen nicht gesichert ist und die Kosten inzwischen deutlich über den Erstattungsbeträgen liegen.



Darüber hinaus hat der Ärztetag auf FÄ-Initiative beschlossen, dass die Hersteller und Betreiber der Hard- und Software für die Telematikinfrastruktur nicht nur für die Geräte haften sollen, sondern auch für Schäden in Praxen, MVZ und Kliniken aufgrund von Systemausfällen. „Sie sind die wirtschaftlichen Nutznießer“, erläutert FÄ-Chef Dietrich. „Bei Ausfällen haben die Ärzte aber viele Nachteile zu tragen: Behinderungen von Praxisabläufen, womöglich verbunden mit Patienten- und Reputationsverlust, sowie erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen wie Verdienstausfälle bei weiterlaufenden Kosten.“ Daraus könne man nur eine Konsequenz ziehen: das teure und gefährliche Projekt einzustellen.



27.11.2017 

PRESSEMITTEILUNG AGA und BVASK
Zahl der Knieprothesen steigt rasant nach Verbot der Arthroskopie bei Kniearthrose
                    

Ärzte fordern medizinisch sinnvollste Gelenkbehandlung für alle Patienten

Berlin – Die Zahl der eingebauten Knieprothesen steigt in Deutschland derzeit rasant an. Nach einer lange rückläufigen Entwicklung werden nun jährlich wieder rund 10.000 Knieprothesen mehr implantiert. Der Grund: Seit einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von 2015 dürfen Ärzte die schonende Arthroskopie zur Behandlung einer chronischen Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) nur noch in Ausnahmefällen bei gesetzlich Versicherten anwenden. Mit dieser Methode konnten vorher viele Patienten durch Knorpelglättung, Gelenkschleimhaut-  und Meniskusteilentfernung von ihren Schmerzen vorerst befreit werden. Jetzt bleibt dem Arzt oft keine andere Wahl mehr, als die letzte Option zu ziehen und eine Totalendoprothese (TEP) – ein künstliches Kniegelenk - zu implantieren. Auch wenn dies für den Patienten möglicherweise noch lange hinausgezögert werden könnte. Dr. med. Ralf Müller-Rath, Vorsitzender des Berufsverbandes für Arthroskopie: „Vor dieser Entwicklung haben wir immer gewarnt. Im Ergebnis werden unsere Patienten nun vermehrt mit komplikationsträchtigen Eingriffen versorgt und die Gesundheitskosten steigen weiter. Es wurde in ein System kommunizierender Röhren eingegriffen. Die Patienten, die an einer Kniearthrose leiden und eine Behandlung wünschen, werden ja durch einen Beschluss nicht weniger! Besonders bitter: Es trifft vor allem gesetzlich versicherte Patienten.“ In Deutschland leiden rund 17 Prozent der Männer und über 30 Prozent der Frauen im Laufe des Lebens unter einer Abnutzung des Kniegelenkes, die oft mit großen Schmerzen einhergeht. Im Anfangsstadium wird häufig mit Physiotherapien und Medikamenten behandelt. Reicht dies nicht mehr aus, waren bislang die Verfahren der Arthroskopie ein gutes Mittel, um die Beschwerden zumindest für eine Weile zu lindern. Bei der Gelenkspiegelung konnten in einer Sitzung nicht nur die Gegebenheiten im Knie genauestens analysiert sondern einige Schmerz-Verursacher auch sofort beseitigt werden. Erst wenn dies nicht mehr reichte, blieb die große Operation mit Komplett-Gelenkersatz.  Gemeinsam mit der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA) wertete der BVASK die  Zahlen des statistischen Bundesamtes über Krankenhausoperationen von  2011-2016 aus. 2011 wurde durch die gesetzlichen Kassen der Antrag auf Ausschluss der Arthroskopie bei Kniearthrose gestellt. Auffällig: Die Anzahl arthroskopischer Eingriffe im Kniegelenk bei Kniearthrose sank von 45.000 im Jahr 2011 auf 7.000 in 2016 ab. Eine Gegenbewegung verzeichnen die Knieprothesen. Auch diese waren zunächst rückläufig. Nach einer Plateauphase 2014 steigt die Anzahl der Knieprothesen nun wieder jährlich um knapp 10.000. Prof. Helmut Lill, Präsident der AGA, bringt es auf den Punkt: „Das Verbot der Arthroskopie bei Gonarthrose hat dazu geführt, dass weniger Arthroskopien, dafür mehr Knieprothesen gemacht werden. Dadurch werden Prothesen früher eingesetzt, deren Haltbarkeit letztlich auch begrenzt ist. In einigen Jahren müssen wir auch deshalb – neben der demografischen Entwicklung – eine noch höhere Zahl an Prothesenwechseln erwarten.“ Die Verbände bedauern, dass Warnungen der Fachleute vor einer solchen Entwicklung nicht ausreichend gehört werden und fordern ein Umdenken, damit das Leistungsspektrum in der Behandlung chronischer Beschwerden der Gelenke für gesetzlich Versicherte nicht weiter eingeschränkt wird. www.aga-online.ch                www.bvask.de
                                                             
Kontakt: 
AGA Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie
Pressekontakt:
LoeschHundLiepold Kommunikation GmbHImke SalzmannTegernseer Platz 7 / Eingang Deisenhofener Str. 1D - 81541 MünchenTelefon: +49 - (0)173-94 92 523E-Mail: aga@lhlk.de  Berufsverband für Arthroskopie e.V.
Pressekontakt:
Kathrin ReisingerBreite Straße 96, 41460 NeussTEL    02131-51257-22Funk 0157 81777 698E-Mail presse@bvask.de



09.02.2017

Praxisgebühr: So hat sie sich auf das Patientenverhalten ausgewirkt

2004 wurde in Deutschland die Praxisgebühr eingeführt - mit dem Ziel, die Inanspruchnahme ärztlicher Versorgungsstrukturen besser zu steuern. 2013 wurde die Gebühr vom Gesetzgeber dann wieder abgeschafft. Jetzt hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) eine Studie zu den Effekten der einmal im Quartal zu entrichtenden Gebühr vorgelegt.

Für die Zi-Studie wurde eine Zufallsstichprobe der Patienten von Praxen aus 13 Fachgruppen in den Kassenärztlichen Vereinigungen Brandenburg und Nordrhein ausgewertet.

Zuerst hatte die Praxisgebühr offensichtlich eine abschreckende Wirkung und hielt Patienten vom Arztbesuch ab: Die mittlere Fallzahl in den Hausarztpraxen ging nach der Einführung im Jahr 2004 deutlich zurück. Schon nach zwei Jahren Gewöhnung an die 10-Euro-Abgabe pro Quartal stiegen die Zahlen aber erneut wieder an und erreichten sogar Werte über dem Ausgangsniveau. Dieser Trend verschärfte sich dann noch nach Abschaffung der Praxisgebühr.

Noch deutlicher fiel der anfängliche Effekt bei der Erstinanspruchnahme von Fachärzten aus: Mit der Einführung der Gebühr sank der Anteil an Originalfällen schlagartig – deutlich mehr Patienten kamen mit einer Überweisung des Hausarztes statt wie bisher einfach mit ihrer Chipkarte in die Facharztpraxis. Nach Abschaffung der Gebühr fielen die Menschen bald wieder in ihre alten Gewohnheiten zurück und gingen mit ihren Beschwerden direkt zum Spezialisten.

Nach Abschaffung der Gebühr: Notaufnahmen stärker frequentiert
Ein weiterer Effekt der Abschaffung der Gebühr: Mit der wiedererlangten Gebührenfreiheit steuern offensichtlich immer mehr Menschen direkt die Notaufnahmen der Krankenhäuser an – ein Trend, der sich seitdem weiter verstärkt.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 27.01.2017




28.10.2016


Informationsflyer was darf und was muß das Krankenhaus im Rahmen einer stationären Behandlung leisten.


Auszüge aus dem aktuellen BNC (Berufsverband der Niedergelassenen Chirurgen) SPOT

zum Verwaltungsstärkungsgesetz

Verantwortlich für den Gesamtinhalt des SPOT: Dr. Christoph Schüürmann Texte / Redaktion: Dr. Christoph Schüürmann, Rosemarie Plassmann 


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es kocht gerade wieder einmal hoch – das Thema: notwendige oder/und unnötige stationäre Aufenthalte in den Kliniken; das gleiche gilt übrigens für ambulante Behandlungen im Krankenhaus.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft ist empört über die Vorwürfe und verneint das beschriebene Problem vollständig, die andere Seite wirft der Krankenhausgesellschaft Realitätsverlust und selektive Wahrnehmung vor.

Unstrittig gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel zu viele stationäre aber auch ambulante Behandlungen im Krankenhaus, auch ist die Krankenhausdichte im Vergleich zu hoch.

Ein komplett realitätsfremdes Vergütungssystem (DRG-System) schafft falsche Anreize und verzerrt die Versorgungsrealität; der zum Teil uner- trägliche Kostendruck durch falsche politische Entscheidungen zwingt die Beteiligten, ihren Fokus auf das zu lenken, was bezahlt wird. 


...

Es wird jedoch an allen Ecken und Enden meist wenig qualifiziert einge- griffen, anstatt auf wirkliche und nicht selbsterklärte Fachleute aus der Politszene zu hören. Die dann überraschenden Folgen verorten die glei- chen Akteure jedoch stets aber genauso stets unkorrekt in die Selbstverwaltung.

Ein aktuelles Beispiel für die inzwischen zementierte geringe politische Entscheidungsqualität ist der Entwurf des sogenannten Verwaltungsstärkungsgesetzes, das eine Menge Entscheidungshoheit direkt auf das BMG übertragen soll. Schon allein der Name ist an Zynismus nicht zu überbieten, es ist ein reines Selbstverwaltungsschwächungsgesetzesvorhaben.

...

Aber kommen wir zum Eingangsthema zurück. Es ist auch unstrittig, dass bis zu 17 durchschnittliche Arztkon- takte pro Jahr in Deutschland ebenso viel zu hoch sind (über 550.000.000 insgesamt!); das ist im Vergleich zu anderen Ländern ebenso medizinisch nicht erklärbar.  

...

Anstatt gegenzusteuern installiert die Regierung noch eine weitere Versorgungsebene mit "Aufwertung" der sogenannten Notfallbehandlungen (wieviel davon sind eigentlich echte Notfälle?) mit Einrichtung eines ergänz- ten Bewertungsausschusses, der die Schweregrade der Fälle finanziell bewerten soll. Definitiv wird eine weite- re Kostenlawine losgetreten zu unseren Lasten, an deren Ende natürlich wir wieder selbst die Schuld haben werden. Außerdem werden damit noch mehr meist wahrscheinlich leicht erkrankte Patienten in die Kranken- häuser getrieben. 

...

Das System wird noch mehr überfordert, und diese unsägliche Entwicklung behindert die wirklich Kranken beträchtlich, die tatsächlich zu jeder Zeit unvorhergesehen dringend und berechtigt medizinische Hilfe benöti- gen und sie auch uneingeschränkt bekommen sollen.

Was können wir selbst beitragen? Wir sollten uns strikt an die Vorgaben halten, d.h. u.a. keine Überweisung UND Einweisung ausstellen, keine doppelten Einweisungen (einmal für prästationäre Untersuchung UND für die stationäre Therapie usw.) ausstellen, nicht auf sogenannte Wiedervorstellungstermine reagieren, keine Ein- weisungen für eine ambulante Behandlung im Krankenhaus ausstellen, schon gar nicht im Nachhinein, auch wenn dann eine Rechnung vom Krankenhaus gegenüber dem Patienten angedroht wird, und eine Überweisung nur bei entsprechend erfülltem Ermächtigungsstatus. 














Praxisklinik mit ambulantem OP-Zentrum