Berufspolitik

Als Mitglied des ANC (Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Chirurgen) und des GNC(Genossenschaft Niedergelassener Chirurgen) Nordrhein versuche ich die die Situation meiner Berufsgruppe in unserem heutigen Gesundheitssystems mit zu gestalten. 

Es geht dabei selbstverständlich um die eigenen, aber auch wesentlich um Ihre Interessen. 

Sollte es der Politik gelingen, unsere Berufsgruppe zu verdrängen, wird sich Ihre qualifizierte fachärztliche Versorgung deutlich verschlechtern. Weitere Leistungen werden aus der Ambulanten in die Stationäre Versorgung verschoben.

Hier haben Sie die Möglichkeit sich über aktuelle Berufspolitische Themen zu informieren.


Coronaskeptiker: Zu einfache Antworten

Dtsch Arztebl 2020; 117(37): A-1651 / B-1415

Schmedt, Michael

Als der erste Coronafall im Januar dieses Jahres in Deutschland auftrat, hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass man im jetzt beginnenden Herbst über Meinungsfreiheit, Grundrechtseingriffe bis hin zu einer vermeintlichen Coronadiktatur diskutiert. Das Politikum Maskenpflicht ist zu einem Sinnbild dieser Auseinandersetzung geworden, bei der es vonseiten der eingefleischten Coronaskeptiker weniger um die Zweifel an den Maßnahmen geht, als darum, es besser zu wissen. Die Gegner der Coronamaßnahmen, Medien und Politiker spielen die Hauptrollen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte bereits im April im Bundestag eingeräumt, es werde Zeiten geben, an denen man einander verzeihen müsse. Vergangene Woche las man dann die Bild-Schlagzeile „Spahn: Man hätte Friseure und Altenheime nicht schließen müssen.“ Suggeriert wird, dass der Minister sich der Meinung der sogenannten Querdenker annimmt, die seit Wochen mit diesem Argument gegen die Coronapolitik der Großen Koalition protestieren. Der richtige Zusammenhang fand sich auf Seite drei der Boulevardzeitung. Der verkürzten Schlagzeile fehlte der Zusatz „mit dem Wissen von heute“. Spahn hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Nordrhein-Westfalen gesagt, dass man mit diesem Wissen heute einen so rigorosen Lockdown nicht mehr beschließen würde.

Die Bild-Zeitung gehört sicher nicht zu den sogenannten Qualitätsmedien, eine journalistische Verantwortung sollte sie dennoch haben. Denn die Schlagzeile verbreitet die Stimmung „der Lockdown war unnötig, denn SARS-CoV-2 ist ja nur eine Grippe“. Diese Argumentation machen sich nicht nur die Anhänger der „Querdenker 711“ zunutze, sondern erst recht diejenigen, die solche Demonstrationen wie Ende August in Berlin für sich instrumentalisieren wollen: Rechtspopulisten samt der rechtsextremen „Identitären Bewegung“. Sie geben einfache Antworten auf schwierige Fragen. Damit kann man in der Bevölkerung punkten und dafür sind einfache Schlagzeilen geeignet.

Eine noch größere Verantwortung als die Medien tragen daher in dieser gereizten Anti-Corona-Stimmung sowohl die Regierungs- als auch die Oppositionspolitiker. Umso schlimmer ist es, wenn ein Bundestagsabgeordneter wie Robby Schlund (AfD) – neben weiteren Fraktionsmitgliedern – auf der Querdenker-711-Demo in Berlin mitläuft. Und nicht nur das: Er posiert auf einem Bild in den sozialen Medien mit drei Plakaten in der Hand, auf denen der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und der Virologe Prof. Dr. med. Christian Drosten in Sträflingskleidung mit dem roten Schriftzug „Schuldig“ zu sehen sind. Fast noch schlimmer ist, dass Schlund Arzt ist. Das macht erschreckend deutlich, dass er (und seine Partei) weder am politischen noch am wissenschaftlichen Diskurs interessiert sind.

Künftig wird es daher noch wichtiger sein, dass die Politik klare Entscheidungen trifft und diese ohne Panikmache erklärt: Man sagt, was man weiß und was man eben nicht weiß und erläutert notwendige Korrekturen. Denn ist ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 erst da, werden viele der Querdenker, die schon heute die Ängste vor Impfschäden schüren, erst recht demonstrieren und die sozialen Medien mit ihren Ansichten fluten. Circa 70 Prozent der Bundesbürger halten die derzeitigen Proteste nicht für gerechtfertigt. Es gilt also, das Vertrauen der Bevölkerung weiter zu pflegen, damit diese nicht den einfachen und damit gefährlichen Antworten der Besserwisser aufsitzen.


11.05.2020 Gemeinsamer Appell von Laumann und der Ärzteschaft: Notwendige Praxisbesuche und Vorsorgeuntersuchungen wieder wahrnehmen

Vor dem Hintergrund des aktuellen Infektionsgeschehens in der Corona-Pandemie hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann heute in Düsseldorf mit Vertretern der nordrhein-westfälischen Ärzte- und Zahnärzteschaft die Bevölkerung dazu aufgerufen, nicht weiter auf Besuche in Arzt- und Zahnarztpraxen zu verzichten oder diese unnötig zu verschieben. „Viele Menschen haben in den vergangenen Wochen zum Beispiel Routine- oder Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen. Angesichts einer hohen Dynamik bei der Pandemie war dies für einen begrenzten Zeitraum auch richtig. In der jetzigen Situation müssen wir allerdings auch hier wieder mit der gebotenen Sorgfalt ein Stück weit zurück in die Normalität“, sagte Laumann.

Denn eines sei auch klar: Wer aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehme oder sogar deutliche Krankheitssymptome ignoriere, riskiere womöglich schwere gesundheitliche Schäden. Der Appell des Gesundheitsministers an die Menschen in Nordrhein-Westfalen lautet daher: „Gehen Sie wieder in die Arzt- und Zahnpraxen, um notwendige Untersuchungen und Behandlungen durchführen zu lassen.“ Die Praxen erfüllten hohe Hygienestandards und hätten sich sehr gut auf die Patientenbesuche in Zeiten der Corona-Pandemie eingestellt.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, erklärte: „Es ist klar, dass es eine konkrete Perspektive für die Öffnung der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens geben muss. Dazu aber ist es notwendig, die eingeübten Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere Abstandsregelungen und Händehygiene, weiter einzuhalten. Als Kassenärztliche Vereinigung haben wir immer die Sicherheit sowohl der Patienten als auch unserer Ärzte und ihres Praxispersonals im Blick. Durch die aktuellen Lockerungen werden sich wieder mehr Patienten in den Praxen melden. Das ist gut so, denn die Regelversorgung etwa vieler chronisch Kranker darf nicht leiden. Unsere Praxen sind darauf vorbereitet, denn sie haben ohnehin die ambulante Regelversorgung auch in der Pandemie-Zeit aufrechterhalten. Wir werden die Praxen weiterhin durch die Verteilung von Schutzmaterial und vielfältige Informationen zum sicheren Betrieb in den Praxen unterstützen – zum Beispiel mit unserer Infoseite coronavirus.nrw.“

presse@kvno.de


Stirb langsam – wird das MDK-Reformgesetz zum Stolperstein für die „kleinen Häuser“?

Nun soll ein neues System der integrierten Notfallversorgung mit den Elementen einer telefonischen Lotsenfunktion und sogenannter Integrierter Notfallzentren an Krankenhäusern helfen, die Vermittlung des richtigen Patienten in die jeweils angemessene Versorgungsstruktur sicherzustellen. So sieht es der Referentenentwurf zur Reform der Notfallversorgung aus dem Januar 2020 vor.

Klar ist, dass die Behandlungspfade von Patienten nicht an der Sektorengrenze enden und durchaus nicht immer als optimal zu bezeichnen sind. Fehlsteuerung resultiert nicht nur aus den Patientenströmen in die Notaufnahmen und deren mangelnder Filterfunktion, sondern auch aus der Unterfinanzierung des ambulanten Operierens, stationären Überkapazitäten und der Verweigerungshaltung relevanter Player, wenn es um die Zulassung von intermediären Strukturen wie Praxiskliniken geht. Und bei all dem stehen wir Ärzte nicht im luftleeren Raum, sondern sind Teil dieses funktionellen Systems, dessen Rahmenbedingungen das ärztliche Handeln prägen und daher stetig zu überdenken und zu verbessern sind.

Vor diesem Hintergrund haben die entsprechenden Veröffentlichungen u. a. der Leopoldina, der TU-Berlin, der Bertelsmann-Stiftung und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen für ein gewisses Aufsehen gesorgt, und auch das Ergebnis der Bund-Länder-Kommission zur Neuordnung der Sektorengrenze wird mit Spannung erwartet. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, und auch schon durch den Bundestag verabschiedet, ist die Änderung des § 115b SGB V – ein kleines Detail im MDK-Reformgesetz. Danach soll der Katalog für ambulante durchführbare Operationen bis Mitte 2021 erweitert werden – nun z. B. auch um stationsersetzende „Behandlungen“ – und eine neue Vergütungsordnung dafür erstellt werden. Zusammen mit den weiteren Vorgaben des MDK-Reformgesetzes, z. B. Abschläge von mindestens 300 Euro je beanstandeter Krankenhausrechnung, wird der Druck auf die Häuser enorm steigen, Eingriffe zunehmend ambulant vorzunehmen. Für Häuser, die einen großen Anteil ihrer Leistungen in diesem Segment mit ambulantem Potenzial erbringen, könnte dies bereits kurzfristig – und auch in Abhängigkeit von der zu überarbeitenden Vergütungsordnung – gravierende Folgen haben.

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Burgdorf F: Editorial: Stirb langsam – wird das MDK-Reformgesetz zum Stolperstein für die „kleinen Häuser“? Passion Chirurgie. 2019 Fabruar;10(02): Artikel 01.

 


Herr Spahn hat sein Ministerium vergrößert und plant für die zweite Hälfte seiner Amtszeit weitere Gesetze, die uns betreffen.

Im Vorfeld des Bundeskongresses gab es in der vergangenen Woche Neuigkeiten, auf die wir uns einrichten müssen. Einheitliche Gebührenordnung vom Tisch Die (vielleicht) gute Nachricht ist, dass die „Wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV)“ ihren Bericht vorgelegt hat und zu dem Ergebnis kam, dass eine einheitliche Gebührenordnung für gesetzlich und privat versicherte Patienten, also eine Zusammenlegung von GOÄ und EBM nicht zielführend ist. Die Gutachter kommen darin zu dem Schluss, dass sich die GOÄ per Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates „nicht bewährt“ hat. Sie sei insbesondere „zu schwerfällig“, um medizinische Innovationen sowohl zügig als auch rechtssicher in der Vergütung abzubilden. Sie empfehlen für die GOÄ eine gesetzlich strukturierte Verhandlungslösung zischen BÄK und PKV vorzusehen. Noch ist unklar, ob die Diskussion der Ergebnisse der KOMV nun die Fortsetzung der Arbeiten an der neuen GOÄ verzögert. Vertragspartner in der vertragsärztlichen Versorgung sollen wie bisher auf Bundesebene der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bleiben. Die bisherigen Mechanismen mit Verhandlungen auf Bundes- und regionaler Ebene könnten grundsätzlich beibehalten werden.


Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Notfallsanitätergesetzes (Bundesrat, Drucksache 428/19) in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), dem Berufsverband Deutscher Chirurgen (BDC) und dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) 

Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Chirurgen kritisieren geplante Änderung des Notfallsanitätergesetzes: „Ärztlich tätig sein kann und darf nur der Arzt.“ 

„Wir sprechen uns gegen die eigenständige Durchführung von invasiven Maßnahmen durch Notfallsanitäter aus. Eine Substitution ärztlicher Leistung gerade im Kontext einer Notfallsituation wird von uns zum Wohle und zum Schutz der erkrankten und verletzten Patienten abgelehnt. Die Bedeutung gut ausgebildeter Notfallsanitäter wird ausdrücklich bejaht. Eine Substitution ärztlicher Leistung hingegen führt im Schadensfall zur Frage der Übernahme juristischer Konsequenzen. Im Rahmen der Daseinsvorsorge kann vom Staat erwartet werden, eine ausreichende Struktur in der Notfallversorgung mit Notärzten, Notdienst tuenden Ärzten und Notaufnahmen der Krankenhäuser zu schaffen und zu unterhalten. Dies muss unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen bereitgestellt werden“, das sagte DGU-Generalsekretär und stellvertretender DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Dietmar Pennig im Vorfeld der 981. Plenarsitzung des Bundesrates. Diese findet heute am 11. Oktober 2019 statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Notfallsanitätergesetzes.

In ihrer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Gesundheitsministerium begrüßt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) und dem Berufsverband Deutscher Chirurgen (BDC) eine klare Regelung des Tätigkeitsspektrums der Notfallsanitäter. Gerade im Notfalleinsatz entstehen besondere Herausforderungen, die für die Tätigkeit des hilfeleistenden Notfallsanitäters im Rahmen einer gesetzlichen Regelung festgeschrieben werden müssen. Jedoch sieht sie die deliktische Haftung für eine Maßnahme an Patienten, die durch einen Nicht-Arzt vorgenommen wird als ausgesprochen problematisch.

Aktueller Anlass:

Der Gesetzesantrag vom 10.09.2019 kommt aus den Ländern Bayern und Rheinland-Pfalz, die über den Bundesrat eine Initiative starten, um rechtliche Klarheit für Notfallsanitäter zu schaffen. Demnach soll das Notfallsanitätergesetz um eine Regelung erweitert werden, die ausdrücklich sagt, dass Notfallsanitäter zur Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten berechtigt sind. Diese Tätigkeiten werden nach § 4 Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe c) wie folgt beschrieben:

„Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patientinnen und Patienten bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind, (…).“

Wegen des sogenannten Heilkundevorbehalts dürfen bislang nur Ärzte solche lebensrettenden Maßnahmen vornehmen.

Der Änderungsantrag wurde im Bundesrat am 20. September 2019 erstmals beraten und kommt jetzt am 11. Oktober 2019 erneut auf die Tagesordnung.

Das Berufsbild Notfallsanitäter seit 2013

Das neue Berufsbild des Notfallsanitäters wurde 2013 mit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes auf den Weg gebracht. Demnach soll die Ausbildung zum Notfallsanitäter dazu befähigen, eigenverantwortlich medizinische Maßnahmen der Erstversorgung bei Patienten im Notfalleinsatz durchzuführen und dabei auch invasive Maßnahmen anzuwenden. Dagegen sprach sich seinerzeit die DGU aus. Sie befürchtete dahinter eine Mogelpackung, um Geldmangel im Rettungsdienst und den Mangel an verfügbaren Notärzten für die jeweiligen Notarztstandorte zu kompensieren. Die Fachgesellschaft plädierte hingegen für eine qualifizierte Teamarbeit zwischen Notarzt und Notfallsanitäter, um Schwerverletzte bestmöglich zu versorgen.

Die aktuelle Einschätzung der DGOU in Abstimmung mit der DGCH, dem BDC und dem BVOU wurde dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Schreiben vom 24.09.2019 zugeschickt. 

Kontakt für Rückfragen:

Susanne Herda, Swetlana Meier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -06 oder -00
Telefax: +49 (0)30 340 60 36 01
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STELLUNGNAHME der AGA zum SPIEGEL-Artikel „Leben ohne Schmerz“ vom 17.11.2018

 

Aktuell ist im Nachrichtenmagazin Spiegel (SPIEGEL-Artikel „Leben ohne Schmerz“  vom 17.11.2018) ein Artikel erschienen, der erneut gegen die Arthroskopie gerichtet ist. Es werden die bekannten Studien zur Kniegelenkslavage bei Arthrose und zur subacromialen Dekompression zitiert und verallgemeinernd die Technik des arthroskopischen Operierens und damit auch alle rekonstruktiven Eingriffe als nutzlos und gefährlich abgetan.

Die AGA hat zu dieser Veröffentlichung des Spiegels in einem offenen Brief kritisch Stellung genommen.


Zu dem Artikel „Leben ohne Schmerz – Rücken, Schulter, Knie – wie sich Operationen vermeiden lassen“ im SPIEGEL, Nr. 47 / 17.11.2018, nimmt die AGA Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie wie folgt Stellung: 

Auch aus unserer Sicht ist es wünschenswert, dass dem Gespräch mit dem Patienten deutlich mehr Zeit eingeräumt wird. Das Ziel sollte immer sein, durch die persönliche Kenntnis des Patienten und der sozialen Umstände einen individuellen Therapieplan festzulegen, der sorgfältig alle konservativen und operativen Therapieoptionen mit einbezieht und abwägt. Die Schlussfolgerung aber, eine Vielzahl von Operationen durch Gesprächstherapien ersetzen zu können, ist nicht richtig. Es gibt klare wissenschaftliche Kriterien für die Indikationsstellung zu Operationen. Die AGA macht sich durch Aufklärung, Fort- und Weiterbildung und wissenschaftliche Arbeit dafür stark, dass Indikationen auf dem neuesten Stand des Wissens gestellt werden.

Die zitierte Studie von Andrew Carr hat gezeigt, dass eine isolierte subacromiale Dekompression (SAD) bei unspezifischen Impingementschmerzen in der Schulter der konservativen Therapie nicht signifikant überlegen ist. Die AGA teilt das Fazit der Studie, dass bei genau diesen Indikationen die operative SAD zu Recht in Frage zu stellen ist. Eine Verallgemeinerung auf Schulterschmerzen und Funktionseinschränkungen, die mannigfaltige Ursachen haben können, ist aber keineswegs zulässig.

Die AGA bestätigt auch die Moseley-Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass bei fortgeschrittener Arthrose eine Gelenktoilette des Kniegelenks keinen therapeutischen Nutzen für den Patienten hat. 

Ein verzerrtes Bild gibt der Artikel jedoch bei der generellen Darstellung der Schulter- und Kniearthroskopie: Die Operationstechnik „Arthroskopie (Gelenkspiegelung)“ wird bei einer Vielzahl von Indikationen bei den genannten Gelenken eingesetzt. Sie kann aber nicht mit den isolierten Eingriffen „subacromiale Dekompression“ und „Gelenklavage“ bei Kniearthrose gleichgesetzt werden. Diese stellen nur einen Bruchteil der arthroskopischen Operationen dar. Die minimal-invasive Gelenkchirurgie leistet eine Vielzahl rekonstruktiver Eingriffe, wird aber im Artikel nur auf „Gelenktoilette“ und „Knochenfräsen“ reduziert. 

Denn die Arthroskopie ist eine Technik und keine Pathologiebehandlung. Während noch vor rund 20 Jahren Sehnennähte der Schulter oder Kreuzbandoperationen einen mehr als 7-tägigen Krankenhausaufenthalt erforderten, können diese heute so minimal invasiv durchgeführt werden, dass der Patient in der Regel nach dem Eingriff nach Hause gehen kann. 

Die von Ihnen genannten Operationszahlen beim Impingement-Syndrom der Schulter suggerieren einen signifikanten Anstieg der SAD von 2008 bis 2015 um 30 Prozent. Auch hier ergibt eine genauere Analyse ein ganz anderes Bild: Die SAD ist häufig nicht der alleinige Eingriff sondern erfolgt lediglich begleitend z.B. bei der Naht einer gerissenen Schultersehne bzw. bei Kalkentfernung. Während 2008 noch häufiger offen operiert wurden, erfolgen diese Operationen heute in der Regel arthroskopisch. 

Die uns vorliegenden Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen eine Abnahme der stationären SAD gesamt (offen/arthroskopisch) von 2010 bis 2017: 104.894 (19.998/84.896) zu 102.062 (12.086/89.976) – fast drei Prozent weniger. Da in diesem Zusammenhang OPS Codes betrachtet werden, kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie viele subacromiale Dekompressionen als Einzel- oder Begleiteingriff vorgenommen wurden. Somit ist Ihr beschriebener Anstieg dieses isolierten Eingriffes nicht mit der Realität gleichzusetzen.

Es ist richtig, dass jede Operation ein gewisses Risiko für den Patienten darstellt. Die Infektionsraten z.B. bei arthroskopischen Eingriffen des Kniegelenkes ohne Bandrekonstruktion liegen allerdings unter 0,1% (Balato et al. Joints 2017). Die Infektionsrate bei Schulterarthroskopien mit Sehnenrekonstruktion unter perioperativer Antibiotikaprophylaxe liegen bei unter 0,3% (Pauzenberger et al. KSSTA 2016). Diese Einordnung würde ein ganz anderes Bild zeichnen. Hingegen ist auch eine konservative Therapie mit Risiken für den Patienten verbunden, z.B. bei Infiltrationen (Spritzenbehandlung). Dieses Risikoprofil wird im Artikel jedoch komplett außen vor gelassen. Vielmehr wird das Risiko betont, in Folge eines arthroskopischen Eingriffs schwerwiegende Komplikationen zu erleiden bis hin zum Tod. Diese Darstellung ist aus unserer Sicht irreführend.

Um den Erfolg von Operationen objektiv messbar zu machen und die Bewertung eben nicht allein dem Operateur zu überlassen, hat die Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA), gemeinsam mit dem dem Berufsverband für Arthroskopie (BVASK) und der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) im Oktober 2017 in Eigeninitiative das deutschsprachige Arthroskopieregister (DART) ins Leben gerufen. Hier werden Patientendaten zu arthroskopischen Eingriffen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zentral erfasst und wissenschaftlich ausgewertet. Ärzten, Praxen und Kliniken steht das Register zur langfristigen Sicherstellung ihrer Qualität zur Verfügung.  

Die zitierte gemeinsame Stellungnahme von sieben Gesellschaften und Verbänden der Orthopädie und Gelenkchirurgie wurde vom Autor falsch verstanden: Die Unterzeichner unterstützen wie weiter oben dargestellt das Studienergebnis der im Journal „Lancet“ veröffentlichten pragmatischen, randomisierten multizentrischen CSAW-Studie bei korrekter Betrachtung, kritisieren allerdings auch methodische Schwächen der Studie. Die Unterzeichner wehren sich aber gegen die Interpretation der Studienergebnisse durch die Laienpresse, die das gesamte Feld der (Schulter)-Arthroskopie unter Generalverdacht - und seit Jahren erfolgreiche Behandlungsstandards in Frage - stellt. Die wissenschaftlich nicht differenzierte Interpretation „Schulterarthroskopie bringt nichts“ führt zu einer klaren Fehlinformation der Bevölkerung. 

Abschließend postuliert der Artikel die Forderung, Menschen ab 35 Jahren nicht mehr zu arthroskopieren, da „sie so gut wie nichts davon hätten“. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass bei ausgeschöpfter konservativer Therapie und beginnendem Gelenkverschleiß die nächste Operation immer der Gelenkersatz ist. Es würde aber auch bedeuten, dass arthroskopische rekonstruktive Eingriffe nach Unfällen, wie zum Beispiel Bandnähte oder Bandersatz zur Stabilisierung eines Gelenkes, oder die arthroskopisch kontrollierte Wiederherstellung einer glatten Gelenkfläche z.B. nach einem Schienbeinkopfbruch für den Patienten keinen Nutzen hätten. Soll dies die Zukunft der Gelenkmedizin sein? 

 

Die AGA hat als oberstes Ziel den Gelenkerhalt. Eine Endoprothese sollte erst dann das Mittel der Wahl sein, wenn es nicht mehr sinnvoll möglich ist, die schmerzfreie Funktion eines Gelenkes wiederherzustellen. Die Arthroskopie hilft als operationstechnisches Verfahren, eine Vielzahl an Verletzungen oder Gelenkerkrankungen minimal-invasiv und schonend mit wissenschaftlich gesicherten positiven Ergebnissen zu behandeln! Wie in allen Bereichen bedarf es einer differenzierten Betrachtung, die im vorliegenden Artikel aus unserer Sicht nicht gegeben ist. Verallgemeinerung und das Verteufeln von Operationen im Grundsätzlichen helfen nicht, die medizinische Versorgungslage unserer Patienten besser und sicherer zu machen.

Prof. Dr. med. Helmut Lill                     Dr. med. Philipp Heuberer                 PD Dr. med. Sepp Braun

AGA-Präsident                                     AGA-Vizepräsident                            AGA-Pressesprecher

27.11.2018


In Bayern ist es geschafft!

Hygienezuschlag für ambulante OP-Zentren!!!


Rundschreiben des BAO

"... wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie in Bayern mit der Honorarabrechnung des 2. Quartales 2018 jetzt im Oktober erstmals die Hygienezuschläge zu ausgewählten ambulanten operativen Leistungen erhalten werden. 

Wir möchten die Operateure aller Fachdisziplinen bitten, den Eingang und Nachweis der Auszahlung der Hygienezuschläge in Ihren Abrechnungen sorgfältig zu prüfen.
Vorausgegangen war ja ein jahrelanger Kampf mit den Krankenkassen über eine Unterstützung / Erstattung von zusätzlichen Kosten, die uns durch das aktuelle Infektionsschutzgesetz entstanden sind. Ihnen ist wahrscheinlich bekannt, dass zuvor nur die Krankenhäuser Millionen-Beträge zu diesem Zweck erhalten hatten. 

Unsere intensiven Bemühungen nach der Vorlage des Gutachtens zur Berechnung der Hygiene- Kosten pro Behandlungsfall 2015 durch unseren Fachreferenten Woischke haben nun endlich in Bayern dazu geführt, dass Leistungen des EBM-Kapitels 31.2 bei Operationen der Kategorie 3-7 zwischen 20 und 50 Euro Zuschläge erhalten, die allein dem Kostenausgleich für Hygiene- Maßnahmen dienen sollen. Die Zuschläge werden in ihrer Abrechnung unter der Ziffer 97191 x ausgewiesen werden. 

Wir freuen uns über diesen Verhandlungserfolg zur Unterstützung von ambulant operierenden Einrichtungen aller Disziplinen in Bayern. Unsere jahrelangen Anträge und Nachfragen – auch bei BAO Geschäftsstelle...

Mit freundlichen kollegialen Grüßen 

Dr. Axel Neumann 

Präsident BAO, BAOGeschäftsstelle Joachim-Karnatz-Allee 7 10557 Berlin 

Dr. Helmut Weinhart, Vorsitzender Kommisssion Amb. Operieren KV Bayern 

Tel. 030-31958413 Fax 030-22196057 

Dr. Frank Vescia, Vorstand BDA"



Aktuelle Zahlen zur medizinischen Versorgung in Nordrhein



Pressemitteilung: 11. Mai 2018

Elektronische Gesundheitskarte vor dem Aus: Ärztetag beschließt Stopp der Online-Anbindung von Arztpraxen

Nachdem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Medienberichten zufolge offenbar darüber einig sind, dass die elektronische Gesundheitskarte (eGK) „nicht zukunftsfähig“ ist, hat auch der Deutsche Ärztetag in Erfurt dem Projekt am Donnerstag eine Absage erteilt. Auf Initiative der Freien Ärzteschaft (FÄ) hat das Ärzteparlament die Politik aufgefordert, die Anbindung der Arztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) an die Telematikinfrastruktur (TI) zu Ende 2018 auszusetzen. Zudem sei die Androhung von Honorarabzügen bei Nichtanbindung zurückzuziehen. „Die technischen und organisatorischen Mängel sowie offene Datenschutzfragen sprechen eindeutig gegen eine Fortsetzung des Projekts“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich.



Es gebe erhebliche Probleme bei zahlreichen Praxen, die sich an die TI angeschlossen hätten. Es komme immer wieder zu Systemausfällen, Gesundheitskarten könnten mitunter nicht eingelesen werden, Paxisabläufe würden behindert – so gehe es auch aus dem Evaluationsgutachten der Universität Erlangen-Nürnberg zum sogenannten Versichertenstammdatenmanagement hervor. „Es ist absehbar, dass die Industrie bis Ende 2018 weder eine zuverlässige Funktionsfähigkeit gewährleisten kann, noch in der Lage ist, alle potenziellen Teilnehmer anzuschließen“, heißt es in dem Beschluss.



„Ein ganz wichtiger Punkt ist zudem der Datenschutz“, betont Dietrich. „Wir wissen nicht, ob die jetzt konzipierte TI mit der am 25.05.2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung konform ist.“ Es gebe bereits zahlreiche Anfragen von Ärzten an Datenschutzbeauftragte in Behörden und Ländern. Die Ärzte monieren weiterhin, dass die Finanzierung der Installation in den Praxen nicht gesichert ist und die Kosten inzwischen deutlich über den Erstattungsbeträgen liegen.



Darüber hinaus hat der Ärztetag auf FÄ-Initiative beschlossen, dass die Hersteller und Betreiber der Hard- und Software für die Telematikinfrastruktur nicht nur für die Geräte haften sollen, sondern auch für Schäden in Praxen, MVZ und Kliniken aufgrund von Systemausfällen. „Sie sind die wirtschaftlichen Nutznießer“, erläutert FÄ-Chef Dietrich. „Bei Ausfällen haben die Ärzte aber viele Nachteile zu tragen: Behinderungen von Praxisabläufen, womöglich verbunden mit Patienten- und Reputationsverlust, sowie erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen wie Verdienstausfälle bei weiterlaufenden Kosten.“ Daraus könne man nur eine Konsequenz ziehen: das teure und gefährliche Projekt einzustellen.



27.11.2017 

PRESSEMITTEILUNG AGA und BVASK
Zahl der Knieprothesen steigt rasant nach Verbot der Arthroskopie bei Kniearthrose
                    

Ärzte fordern medizinisch sinnvollste Gelenkbehandlung für alle Patienten

Berlin – Die Zahl der eingebauten Knieprothesen steigt in Deutschland derzeit rasant an. Nach einer lange rückläufigen Entwicklung werden nun jährlich wieder rund 10.000 Knieprothesen mehr implantiert. Der Grund: Seit einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von 2015 dürfen Ärzte die schonende Arthroskopie zur Behandlung einer chronischen Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) nur noch in Ausnahmefällen bei gesetzlich Versicherten anwenden. Mit dieser Methode konnten vorher viele Patienten durch Knorpelglättung, Gelenkschleimhaut-  und Meniskusteilentfernung von ihren Schmerzen vorerst befreit werden. Jetzt bleibt dem Arzt oft keine andere Wahl mehr, als die letzte Option zu ziehen und eine Totalendoprothese (TEP) – ein künstliches Kniegelenk - zu implantieren. Auch wenn dies für den Patienten möglicherweise noch lange hinausgezögert werden könnte. Dr. med. Ralf Müller-Rath, Vorsitzender des Berufsverbandes für Arthroskopie: „Vor dieser Entwicklung haben wir immer gewarnt. Im Ergebnis werden unsere Patienten nun vermehrt mit komplikationsträchtigen Eingriffen versorgt und die Gesundheitskosten steigen weiter. Es wurde in ein System kommunizierender Röhren eingegriffen. Die Patienten, die an einer Kniearthrose leiden und eine Behandlung wünschen, werden ja durch einen Beschluss nicht weniger! Besonders bitter: Es trifft vor allem gesetzlich versicherte Patienten.“ In Deutschland leiden rund 17 Prozent der Männer und über 30 Prozent der Frauen im Laufe des Lebens unter einer Abnutzung des Kniegelenkes, die oft mit großen Schmerzen einhergeht. Im Anfangsstadium wird häufig mit Physiotherapien und Medikamenten behandelt. Reicht dies nicht mehr aus, waren bislang die Verfahren der Arthroskopie ein gutes Mittel, um die Beschwerden zumindest für eine Weile zu lindern. Bei der Gelenkspiegelung konnten in einer Sitzung nicht nur die Gegebenheiten im Knie genauestens analysiert sondern einige Schmerz-Verursacher auch sofort beseitigt werden. Erst wenn dies nicht mehr reichte, blieb die große Operation mit Komplett-Gelenkersatz.  Gemeinsam mit der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA) wertete der BVASK die  Zahlen des statistischen Bundesamtes über Krankenhausoperationen von  2011-2016 aus. 2011 wurde durch die gesetzlichen Kassen der Antrag auf Ausschluss der Arthroskopie bei Kniearthrose gestellt. Auffällig: Die Anzahl arthroskopischer Eingriffe im Kniegelenk bei Kniearthrose sank von 45.000 im Jahr 2011 auf 7.000 in 2016 ab. Eine Gegenbewegung verzeichnen die Knieprothesen. Auch diese waren zunächst rückläufig. Nach einer Plateauphase 2014 steigt die Anzahl der Knieprothesen nun wieder jährlich um knapp 10.000. Prof. Helmut Lill, Präsident der AGA, bringt es auf den Punkt: „Das Verbot der Arthroskopie bei Gonarthrose hat dazu geführt, dass weniger Arthroskopien, dafür mehr Knieprothesen gemacht werden. Dadurch werden Prothesen früher eingesetzt, deren Haltbarkeit letztlich auch begrenzt ist. In einigen Jahren müssen wir auch deshalb – neben der demografischen Entwicklung – eine noch höhere Zahl an Prothesenwechseln erwarten.“ Die Verbände bedauern, dass Warnungen der Fachleute vor einer solchen Entwicklung nicht ausreichend gehört werden und fordern ein Umdenken, damit das Leistungsspektrum in der Behandlung chronischer Beschwerden der Gelenke für gesetzlich Versicherte nicht weiter eingeschränkt wird. www.aga-online.ch                www.bvask.de
                                                             
Kontakt: AGA Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie
Pressekontakt:LoeschHundLiepold Kommunikation GmbHImke SalzmannTegernseer Platz 7 / Eingang Deisenhofener Str. 1D - 81541 MünchenTelefon: +49 - (0)173-94 92 523E-Mail: aga@lhlk.de  Berufsverband für Arthroskopie e.V.
Pressekontakt:Kathrin ReisingerBreite Straße 96, 41460 NeussTEL    02131-51257-22Funk 0157 81777 698E-Mail presse@bvask.de



09.02.2017

Praxisgebühr: So hat sie sich auf das Patientenverhalten ausgewirkt

2004 wurde in Deutschland die Praxisgebühr eingeführt - mit dem Ziel, die Inanspruchnahme ärztlicher Versorgungsstrukturen besser zu steuern. 2013 wurde die Gebühr vom Gesetzgeber dann wieder abgeschafft. Jetzt hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) eine Studie zu den Effekten der einmal im Quartal zu entrichtenden Gebühr vorgelegt.

Für die Zi-Studie wurde eine Zufallsstichprobe der Patienten von Praxen aus 13 Fachgruppen in den Kassenärztlichen Vereinigungen Brandenburg und Nordrhein ausgewertet.

Zuerst hatte die Praxisgebühr offensichtlich eine abschreckende Wirkung und hielt Patienten vom Arztbesuch ab: Die mittlere Fallzahl in den Hausarztpraxen ging nach der Einführung im Jahr 2004 deutlich zurück. Schon nach zwei Jahren Gewöhnung an die 10-Euro-Abgabe pro Quartal stiegen die Zahlen aber erneut wieder an und erreichten sogar Werte über dem Ausgangsniveau. Dieser Trend verschärfte sich dann noch nach Abschaffung der Praxisgebühr.

Noch deutlicher fiel der anfängliche Effekt bei der Erstinanspruchnahme von Fachärzten aus: Mit der Einführung der Gebühr sank der Anteil an Originalfällen schlagartig – deutlich mehr Patienten kamen mit einer Überweisung des Hausarztes statt wie bisher einfach mit ihrer Chipkarte in die Facharztpraxis. Nach Abschaffung der Gebühr fielen die Menschen bald wieder in ihre alten Gewohnheiten zurück und gingen mit ihren Beschwerden direkt zum Spezialisten.

Nach Abschaffung der Gebühr: Notaufnahmen stärker frequentiert
Ein weiterer Effekt der Abschaffung der Gebühr: Mit der wiedererlangten Gebührenfreiheit steuern offensichtlich immer mehr Menschen direkt die Notaufnahmen der Krankenhäuser an – ein Trend, der sich seitdem weiter verstärkt.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 27.01.2017




28.10.2016


Informationsflyer was darf und was muß das Krankenhaus im Rahmen einer stationären Behandlung leisten.


Auszüge aus dem aktuellen BNC (Berufsverband der Niedergelassenen Chirurgen) SPOT

zum Verwaltungsstärkungsgesetz

Verantwortlich für den Gesamtinhalt des SPOT: Dr. Christoph Schüürmann Texte / Redaktion: Dr. Christoph Schüürmann, Rosemarie Plassmann 


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es kocht gerade wieder einmal hoch – das Thema: notwendige oder/und unnötige stationäre Aufenthalte in den Kliniken; das gleiche gilt übrigens für ambulante Behandlungen im Krankenhaus.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft ist empört über die Vorwürfe und verneint das beschriebene Problem vollständig, die andere Seite wirft der Krankenhausgesellschaft Realitätsverlust und selektive Wahrnehmung vor.

Unstrittig gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel zu viele stationäre aber auch ambulante Behandlungen im Krankenhaus, auch ist die Krankenhausdichte im Vergleich zu hoch.

Ein komplett realitätsfremdes Vergütungssystem (DRG-System) schafft falsche Anreize und verzerrt die Versorgungsrealität; der zum Teil uner- trägliche Kostendruck durch falsche politische Entscheidungen zwingt die Beteiligten, ihren Fokus auf das zu lenken, was bezahlt wird. 


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Es wird jedoch an allen Ecken und Enden meist wenig qualifiziert einge- griffen, anstatt auf wirkliche und nicht selbsterklärte Fachleute aus der Politszene zu hören. Die dann überraschenden Folgen verorten die glei- chen Akteure jedoch stets aber genauso stets unkorrekt in die Selbstverwaltung.

Ein aktuelles Beispiel für die inzwischen zementierte geringe politische Entscheidungsqualität ist der Entwurf des sogenannten Verwaltungsstärkungsgesetzes, das eine Menge Entscheidungshoheit direkt auf das BMG übertragen soll. Schon allein der Name ist an Zynismus nicht zu überbieten, es ist ein reines Selbstverwaltungsschwächungsgesetzesvorhaben.

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Aber kommen wir zum Eingangsthema zurück. Es ist auch unstrittig, dass bis zu 17 durchschnittliche Arztkon- takte pro Jahr in Deutschland ebenso viel zu hoch sind (über 550.000.000 insgesamt!); das ist im Vergleich zu anderen Ländern ebenso medizinisch nicht erklärbar.  

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Anstatt gegenzusteuern installiert die Regierung noch eine weitere Versorgungsebene mit "Aufwertung" der sogenannten Notfallbehandlungen (wieviel davon sind eigentlich echte Notfälle?) mit Einrichtung eines ergänz- ten Bewertungsausschusses, der die Schweregrade der Fälle finanziell bewerten soll. Definitiv wird eine weite- re Kostenlawine losgetreten zu unseren Lasten, an deren Ende natürlich wir wieder selbst die Schuld haben werden. Außerdem werden damit noch mehr meist wahrscheinlich leicht erkrankte Patienten in die Kranken- häuser getrieben. 

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Das System wird noch mehr überfordert, und diese unsägliche Entwicklung behindert die wirklich Kranken beträchtlich, die tatsächlich zu jeder Zeit unvorhergesehen dringend und berechtigt medizinische Hilfe benöti- gen und sie auch uneingeschränkt bekommen sollen.

Was können wir selbst beitragen? Wir sollten uns strikt an die Vorgaben halten, d.h. u.a. keine Überweisung UND Einweisung ausstellen, keine doppelten Einweisungen (einmal für prästationäre Untersuchung UND für die stationäre Therapie usw.) ausstellen, nicht auf sogenannte Wiedervorstellungstermine reagieren, keine Ein- weisungen für eine ambulante Behandlung im Krankenhaus ausstellen, schon gar nicht im Nachhinein, auch wenn dann eine Rechnung vom Krankenhaus gegenüber dem Patienten angedroht wird, und eine Überweisung nur bei entsprechend erfülltem Ermächtigungsstatus. 














Praxisklinik mit ambulantem OP-Zentrum